Haupttor, Geb. 10

Zukunft braucht Vergangenheit


Die Geschichte des Industrieparks Wolfgang beginnt im Jahr 1875. Mit der Gründung der Königlich Preußischen Pulverfabrik hält die Industrialisierung im Bulauwald nahe Hanau Einzug. 


Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs produziert die Fabrik Schießpulver und Munition für das Deutsche Reich. Der Erste Weltkrieg bedeutet das Ende für die Königlich Preußische Pulverfabrik. Die Alliierten befehlen die Zerstörung. Es bleiben nur Reste einiger Vorprodukte übrig, darunter Schießbaumwolle und Röhrenpulver. Kurze Zeit später entwickelt ein Chemiker ein neues Verfahren, um aus Schießbaumwolle Kunstleder herzustellen. Der Industriestandort Wolfgang ergreift diese Chance zum Neustart und stellt noch bis in die 1970er Jahre des 20. Jahrhunderts Kunstleder her.
1933 übernimmt die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt (Degussa) das Gelände. Das Frankfurter Chemie-Unternehmen steigert die Kunstlederproduktion weiter und beginnt nach dem 2. Weltkrieg nach und nach, einzelne Abteilungen von der Unternehmenszentrale nach Wolfgang zu verlegen. Ende der 1950er Jahre fällt ein weitreichender Entschluss: Die Degussa bündelt ihre Forschungsarbeit gänzlich in Hanau-Wolfgang. Diese Entscheidung stellt die Weichen für die Zukunft des Industriegeländes neu: hin zu einem innovativen Standort für Forschung und Entwicklung.
Die Degussa geht im Jahr 2007 in der neu gegründeten Evonik Industries AG auf. Evonik betreibt den Standort und beschäftigt heute rund 3500 Mitarbeiter im Industriepark Wolfgang. Weitere 2000 Mitarbeiter sind bei weiteren Firmen beschäftigt. Nach wie vor bestimmen Forschung und Entwicklung die Arbeit am Standort.
In Labors und Pilotanlagen verbessern die Mitarbeiter Produkte und entwickeln neue Anwendungsmöglichkeiten für Kunden auf der ganzen Welt. Mit fast 300 Auszubildenden ist der Industriepark zudem einer der größten Ausbilder der Main-Kinzig-Region. Gleichzeitig ist er ein wichtiger Produktionsstandort. Evonik stellt in Hanau pharmazeutische Wirkstoffe her, die sich zum Beispiel in Antibiotika oder Schmerzmitteln wiederfinden. Chemiekatalysatoren als Reaktionsbeschleuniger für zahlreiche chemische Reaktionen und Reaktionsharze sind weitere Evonik-Produkte aus Wolfgang. Letztere finden vor allem in Industriefußböden und Fahrbahnmarkierungen ihren Einsatz.