Hanau
20. April 2020

Tierischer Besuch im Industriepark

Bereits zum zweiten Mal haben am Wochenende Werkschützer einen Keiler im Industriepark entdeckt, der sich unter einem Zaun durchgegraben haben muss – das Wildschwein hat dann den Rückzug in den Wald angetreten.

Für die Mitarbeiter, die im angrenzenden Forst (hinter dem Osteingang) in der Mittagspause oder nach der Arbeit joggen oder spazieren gehen, heißt es, aufmerksam sein: In der Regel halten sich die Tiere fern von Menschen, es gibt jedoch zwei Ausnahmen.

Schnelle 150 Kilogramm: Wildschweine sind beeindruckende Waldbewohner: Die Männchen haben eine Schulterhöhe von bis zu 1,10 Meter. Sie können bis zu 150 Kilogramm schwer werden. Bachen wiegen die Hälfte. Trotz ihres Gewichts können Wildschweine sehr schnell laufen, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Keiler haben bis zu 20 Zentimeter lange, hervorstehende Eckzähne. Mit ihnen und ihren starken Unterkiefer verteidigen sich die Tiere, wenn es notgedrungen zu einem Kampf kommt.

Wann die Gefahr am größten ist

Wildschweine haben, laut Jäger und Förster Manfred Eckhardt, eine natürliche Scheu vor Menschen. Spaziergänger und Wanderer begegnen ihnen daher selten. Sobald die Tiere Menschen hören oder riechen, ergreifen sie die Flucht oder halten ausreichenden Abstand. Von diesen Waldbewohnern geht in der Regel keine Gefahr aus. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen.

In der Regel ab Februar, mittlerweile aber aufgrund der guten Lebensbedingungen und milden Winter, bekommen die Bachen oft über das ganze Jahr hinweg ihren Nachwuchs (Frischlinge). In den ersten Tagen sind die Frischlinge noch hilflos und können bei Gefahr nicht fliehen. Wird dann abseits der Wege versehentlich eine Rotte (Verband mehrerer Wildschweine) aufgescheucht, können die Tiere aggressiv reagieren und wollen ihre Jungen verteidigen. Die Bache reagiert in dieser Situation unter anderem mit Fauchen und Drohgebärden. Ein Angriff ist durchaus möglich.

Achtung
Wenn Sie Frischlinge sehen, meiden Sie jeglichen Kontakt und kehren Sie um. Es kann passieren, dass das Muttertier Ihre Annäherung als Gefahrensituation einschätzt.

Darüber hinaus ist es gefährlich, einem verletzten Keiler, der beispielsweise von einem Auto angefahren oder einem Jäger angeschossen wurde, zu begegnen. Kommen Sie ihm zu nahe, kann die Situation eskalieren und er könnte einen Angriff mit fatalen Folgen starten, sagt Förster Eckhardt.

Das richtige Verhalten im Ernstfall

Begegnen Sie einem Wildschwein oder rennt es auf Sie zu, bleiben Sie ruhig. Nähern Sie sich dem Tier nicht. Vermeiden Sie hektische Bewegungen. Sie können, genau wie Versuche, das Tier zu verscheuchen, als Bedrohung interpretiert werden. Ausweichmanöver und panisches Wegrennen können Wildschweine ebenfalls zu einem Angriff animieren.

Gehen Sie stattdessen langsam und ruhig rückwärts. Versuchen Sie, wieder eine sichere Distanz herzustellen. Das Wildschwein braucht genügend Abstand, um die Situation nicht mehr als Gefahr anzusehen und sich selbst in Ruhe zurückziehen zu können. Reden Sie währenddessen beruhigend auf das Wildschwein ein und versuchen Sie, jeglichen Stress für das Tier zu vermeiden.

Stehen Sie einem Wildschwein nicht im Weg und versperren Sie ihm auch seine Fluchtwege nicht – beispielsweise entlang von Gattern, Zäunen und Schluchten. So verringern Sie die Chance, von dem Tier umgerannt oder angegriffen zu werden.

Verwendete Quelle: Manfred Eckhardt, Förster und Jäger, HessenForst