Hanau
17. Dezember 2020

Bleiben Sie sichtbar und gesund

Soziale Einbindung ist angesichts des Lockdowns besonders wichtig. Von Andrea Leue-Schwarz, Sozial- und Mitarbeiterberatung Hanau.

In den letzten Monaten wurde viel über Familien und ihre zu bewältigenden Herausforderungen durch die Pandemie berichtet. Von Menschen, die allein leben und aufgrund der Kontaktbeschränkungen nur noch sehr bedingt soziale Kontakte pflegen können, war dagegen weniger zu hören.

Notwendig gewordene Anpassungen der Mitarbeiterpräsenz in Betrieben (Homeoffice, veränderte Anwesenheitsmodelle, Kurzarbeit, etc.) sowie der Umgang mit Ängsten um die eigene berufliche und finanzielle Zukunft fordern derzeit alle von uns nicht zuletzt auch emotional enorm heraus. Besonders Menschen, die allein leben, müssen dabei allerdings den zusätzlichen Spagat schaffen, ihren Alltag in der sozialen Distanz zu anderen zu gestalten und dabei gleichzeitig seelisch stabil zu bleiben. Angesichts der Reduktion kollegialer Kontakte und in Verbindung mit den sonstigen Kontaktbeschränkungen in Öffentlichkeit und Privatleben, schwinden die Möglichkeiten für realen, sozialen Austausch für diese Personengruppe zusätzlich - mit möglichen seelischen Langzeitfolgen für die Betroffenen!

Soziale Beziehungen fördern die Gesundheit
Das Internet ist voll von Tipps und Ratschlägen, die uns helfen können, die Herausforderungen, die uns allen in verschiedenen Bereichen so viel abverlangen, gut und vor allem resilient zu meistern.

Allerdings sind für den Erhalt einer guten seelischen Widerstandsfähigkeit nicht nur der hilfreiche Umgang mit sich selbst in belastenden Situationen, sondern auch gute und stabile soziale Beziehungen wesentlich!

Wir alle können unter sozialer Isolation leiden, ohne einsam zu sein.* Auch können wir uns einsam fühlen, trotzdem wir sozial eingebunden sind - dies sind keine neuen Erkenntnisse.

Wissen Sie allerdings, welches die wesentlichen Einflussfaktoren im Hinblick auf Ihre Herzgesundheit sind? Ja, richtig: Die Vermeidung von Übergewicht, eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise, Sport zu treiben, Alkohol nur in Maßen zu konsumieren und nicht zu rauchen, sind wichtige Kriterien zur Gesunderhaltung Ihres Herz-Kreislauf-Systems.

Noch entscheidender erscheint es Forschern der McGill-Universität in Montreal zufolge jedoch, Unterstützung durch andere zu erfahren und gut in ein soziales Netzwerk eingebunden zu sein!*

Werden Sie aktiv in Ihrem Umfeld
Was kann also getan werden, um zu verhindern, dass Menschen von der „sozialen Bildfläche“ verschwinden? Wie können Menschen sichtbar und seelisch gesund bleiben - besonders in Zeiten derart heruntergefahrener sozialer Bezüge?

Kennen Sie jemanden aus Ihrem unmittelbaren Umfeld - eine Kollegen, eine Mitarbeiterin, einen Nachbarn, eine Sportkollegin, einen Freund, eine Verwandte - von der bzw. dem sie wissen, dass sie oder er allein lebt und (z. B. durch das Arbeiten von zu Hause aus) langsam aber sicher aus dem Blick gerät? Wann haben Sie zuletzt mit dieser Person gesprochen? Wie wäre es z. B., heute zu genau dieser Person in Kontakt zu treten, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen und nachzufragen, wie es ihr momentan geht, was sie derzeit wirklich beschäftigt?

Wie Sie das tun könnten?! Rufen Sie an oder starten Sie einen Dialog per Mail. Schicken Sie eine Postkarte (etc.). Regen Sie in jedem Fall eine Rückmeldung Ihres Kontaktpartners an!
Wenn Sie dies bereits praktizieren - super, weiter so! Sie leisten einen wertvollen Beitrag dazu, andere sichtbar zu machen!

Sagen sie, wie es Ihnen momentan wirklich geht
Und, wenn Sie die Person sind, die gefragt wird, wie es Ihnen geht: Wie wäre es, auf diese Frage mal ausführlicher zu antworten und „einfach“ zu sagen, wie es Ihnen momentan wirklich geht und was Sie wirklich beschäftigt? - Das tun Sie bereits, wenn Sie jemand nach Ihrem Befinden fragt?! Klasse! Teilen Sie anderen auch weiterhin mit, was Sie beschäftigt, so bleiben auch Sie sichtbar!

Niemand kann die Gesamtsituation so beeinflussen, dass sie sich für alle oder auch nur für einzelne schnell und nachhaltig verändert - oder ist gar hierfür verantwortlich. Was wir alle jedoch tun können ist, sichtbar zu bleiben: Sichtbar als jemand, den es interessiert, wie es anderen wirklich geht und sichtbar als diejenigen, die sich mit ihren Ängsten und Sorgen zeigen und nicht einsam oder isoliert zurückbleiben müssen!

Machen Sie mit - werden Sie sichtbar und sorgen Sie so dafür, dass auch andere sichtbar bleiben!

Die Sozial- und Mitarbeiterberatung ist für Sie da!
Sollten Sie sich selbst mit Ihrer aktuellen Situation überfordert fühlen oder unsicher sein, wie Sie andere darin unterstützen können, sichtbar zu bleiben: Melden Sie sich sehr gerne bei uns, den Beraterinnen und Beratern der Sozial- und Mitarbeiterberatung!

Wir sind für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten in Deutschland ansprechbar, gerade auch in dieser besonderen Zeit.

*Quelle: Hildegard Kaulen: „Psychologie der Isolation – Diese Einsamkeit im Kopf“- FAZ, 30.08.2020